Spielmobilkongress

Rettet das Spiel! – Internationaler Kongress der Spielmobile 2017
Der 45. Internationale Spielmobilkongress findet vom 27.-30. September 2017 in Karlsruhe statt. Hier finden Sie weitere Informationen zum Kongress.

Im Mittelpunkt des gemeinsamen Handelns steht die Kunst, sich spielerisch selbst zu bilden. Wir laden ein, gemeinsam in Bewegung zu sein, zum spielerischen Forschen im Tun und im Denken. Wir bürgen dafür, dass die Verantwortung der Erwachsenen, mit ihrer Macht Kindheit zu gestalten, nachdrücklich – eindrücklich – lautstark – vehement in den Mittelpunkt dieses Kongresses gestellt wird.

Wir freuen uns auf viele Mitspielende und Mitstreitende, die unser Anliegen, das Recht auf selbstbestimmtes und zweckfreies Spiel zu verwirklichen, teilen. Ausführlichere Informationen und die Möglichkeit sich anzumelden gibt es auf der Kongresswebseite.

Im Spiel zu sein bedeutet frei zu sein!
Spielerische Lebenskunst ist ein Gegenentwurf zu einem Wirken, das durch Effektivität, Funktionalität und Gewinnmaximierung geleitet ist. Wer frei und selbstbestimmt spielt konsumiert nicht, benutzt nicht, sondern verliert sich angstfrei ins Geschehen und findet neue Zugänge zu sich selbst und zu seiner Umwelt. Spielen, in diesem Sinne, ist eine innere Haltung, aus der heraus es möglich wird, ohne Vorbehalt und Angst, aus dem vollen Reich des Möglichen zu schöpfen und das neu Gefundene zu erproben. Oft finden sich Lösungen für das “echte Leben” eben nicht dort, wo man sie zielstrebig sucht, sondern, eher unbeabsichtigt, in Spielräumen.

Doch das Spiel ist bedroht!
Bedroht durch seine Kommerzialisierung ebenso wie durch suchterzeugende Online-Spiele. Der homo ludens, der für sich und seine Entfaltung “gewinnen möchte” wird bedroht durch den homo oeconomicus, der auf Kosten anderer “Gewinn machen” will.
Das Spiel, verstümmelt zur puren Methodik, wird immer mehr in Zweckgebundenheit zum Erreichen von (Lern-)Zielen genutzt. Spielen in seiner Zweckgemäßheit als Antrieb der Entwicklung und Entfaltung des Menschseins entschwindet hingegen immer mehr der gesellschaftlichen und pädagogischen Aufmerksamkeit.

Spielen ist lebensnotwendig!
Denn alle lebenspraktischen Fähigkeiten können Menschen nur in aktiven und selbstbestimmten Bedingungen und im Spiel entwickeln. Erst im Spiel mit allem Lebendigen wächst die Ehrfurcht vor dem Leben, im Spiel mit Menschen reifen Achtung und Anerkennung, in spielerischen Auseinandersetzungen mit anderen Menschen öffnet sich Verständnis und Empathie. Menschen haben Entwicklungsbereiche, in denen sie sich entfalten, in denen sie ihre Potentiale ausweiten wollen. Sie sind sinnliche, emotionale Wesen, die in naher Berührung in die Welt gehen. Winnicott (englischer Kinderarzt und Psychoanalytiker) stellt folgendes fest: Spiel ist die Quelle aller menschlichen Kultur. Hinsichtlich der Entdeckung der Potenzialität der Welt ist Spiel Forschung und Experiment; hinsichtlich der Entdeckung der eigenen Potenzialität ist das Spiel Bildung, Erprobung und Übung. Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Was Schiller einst dachte, bestätigt heute die Neurowissenschaft: Im Spiel entfalten Menschen ihre Potenziale, beim Spiel erfahren sie Lebendigkeit.

Rettet das Spiel!
In ihrem Streben nach Glück und Freiheit geraten Kinder allerdings in immer engere Grenzen. Ihre Kindheit wird von Erwachsenen funktionalisiert, rhythmisiert, betreut, verrechtlicht und verregelt. Kinder müssen immer mehr funktionieren und in engen Taktungen ihr Leben meistern.Erwachsene wünschen sich eine Rundum-Betreuung, dauerhafte Förderung durch Programme und Sicherheit für ihre Kinder ohne ungewisse Freiräume. Doch genau diese Freiräume braucht es, damit Kinder einen eigenen Stand und damit die Fähigkeit Verantwortung für sich und andere zu tragen entwickeln können. Somit: Damit das Leben in seiner sinnlichen Vielfalt lebenswert bleibt: Rettet das Spiel!